Jeden Sommer hängt in Bayrischzell Kunst an den Wänden, und das seit über siebzig Jahren. 2026 war die 72. Auflage, sie ist am 4. September zu Ende gegangen. Damit gehört sie zu den ältesten Ausstellungen der Region. Wann es 2027 weitergeht, hat die Gemeinde noch nicht bekannt gegeben. Sobald der Termin feststeht, steht er hier.
Die 72. Ausstellung lief vom 8. August bis 4. September 2026 im Pfarrzentrum St. Margareth, Mühlleitenstraße 6, und ist beendet. Der Termin liegt traditionell in den bayerischen Sommerferien. Wann die Ausstellung 2027 öffnet, wird hier ergänzt, sobald die Gemeinde es bekannt gibt.
Wie das alles angefangen hat
Man muss sich die Zeit dazu denken. Der Krieg war fünf Jahre vorbei, im Ort lebten viele Menschen, die in den zerbombten Städten alles verloren hatten, und der Bedarf an etwas anderem als Wiederaufbau war groß. Aus dieser Lage heraus entstand hier eine Ausstellung, die es bis heute gibt.
- 1950Am 6. Dezember gründet sich in Bayrischzell ein Kulturkreis, nach dem Vorbild aus Schliersee. Treibende Kraft ist Dr. Rüdiger Sobotta, unterstützt von Josef Reible.
- 1952Die erste Kunstausstellung in Bayrischzell. Der Kulturkreis holt daneben Wissenschaftler für Vorträge ins Dorf, von der Physik bis zur Anthropologie, und organisiert Konzerte, Lesungen und Theaterfahrten nach München.
- 1953Im Rathaus stehen Kunst und Brauchtum nebeneinander. Der Termin fällt auf das Gaufest, entsprechend voll wird es. Unter den Gästen sind Prinz Ludwig und Prinzessin Irmgard von Bayern.
- 1959Künstler aus dem Leitzachtal, dem Schlierachtal und dem Mangfalltal schließen sich zur Künstlergilde Tatzlwurm zusammen. Angestoßen haben es Sobotta und der Kunstmaler August Riedel aus Osterhofen. Ab jetzt richten Kulturkreis und Gilde die Ausstellung gemeinsam aus.
- 1989Die Gemeinde Bayrischzell übernimmt und ist seitdem Veranstalterin.
- 2022Klaus Gogolin gibt die Leitung nach 18 Jahren an Burkhard Niesel weiter.
- 2026Die 72. Auflage, vom 8. August bis 4. September.
Wer von auswärts kam, durfte von Anfang an mit ausstellen. Das hat die Ausstellung über den Landkreis hinaus bekannt gemacht, und selbst Stadtpublikum, das einiges gewohnt war, zeigte sich von der Qualität beeindruckt.
Wer die ersten Jahrzehnte geprägt hat
Neben Sobotta ist Josef Reible zu nennen, der die Arbeit ehrenamtlich mittrug, und August Riedel, der über Jahre hinweg für die Kunst im Ort unterwegs war.
Wer die ersten zwei Jahrzehnte geprägt hat, listet die Chronik der Ausstellung auf: Leo Samberger, Albin Grau, Max Roßbach, Karl Wendl, Helmuth Andreas Volkwein, Bert Mallad, Sepp Happ und Kurt Kyriß. Herausgehoben wird dort der Tierbildhauer Philipp Harth, der weit über die Region hinaus bekannt war und die letzten Jahrzehnte seines Lebens in Bayrischzell verbrachte.
Der Mann am Eingang
Einen von ihnen habe ich selbst noch gekannt. Bert Mallad saß über Jahre am Eingang der Ausstellung und nahm das Eintrittsgeld ein. Als Kind bin ich dort gesessen, stundenlang, und nicht nur einmal, sondern über die ganze Ausstellungszeit hinweg.
Das lag an ihm. Er konnte erzählen, und er hatte eine ruhige, freundliche Art, bei der ein Kind nicht das Gefühl bekam, im Weg zu sein. Gemalt hat er selbst auch, Ortsbilder in Wasserfarben. Er hat versucht, möglichst realistisch zu malen, und gerade dadurch hatten seine Bilder etwas Naives. Genau deshalb mochte ich sie. Mallad, 1913 bis 1995, war Maler und Zeichner und hat vor allem München festgehalten, Straßenszenen und den Wiederaufbau nach dem Krieg. Seine Bilder werden bis heute im Kunsthandel gehandelt.
Wer sie heute macht
Die Gemeinde Bayrischzell hat die Ausstellung 1989 übernommen und ist seitdem Veranstalterin. Mit im Boot ist der Kulturverein Kultursprung, dessen Logo auch auf dem Ausstellungsplakat steht. Achtzehn Jahre lang lag die Organisation bei Klaus Gogolin, der sie 2022 an Burkhard Niesel weitergab. Der Termin liegt traditionell in den bayerischen Sommerferien.
Eine Jury entscheidet, nicht der Zufall
Der Punkt, der die Ausstellung von vielen anderen unterscheidet: Es hängt nicht auf, wer sich zuerst meldet. Eine unabhängige Jury aus drei Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern sichtet die Einreichungen und wählt aus rund 200 eingereichten Werken 100 Exponate aus.
Jede zweite Arbeit kommt also nicht hinein. Wer hier hängt, ist durch eine fachliche Auswahl gegangen, und das merkt man beim Rundgang.
Was zu sehen ist
Gezeigt werden Arbeiten von regionalen und überregionalen Künstlerinnen und Künstlern, und die Bandbreite ist größer, als man es bei einer Dorfausstellung erwarten würde: Acryl-, Aquarell- und Ölmalerei, Grafik, Video- und Fotokunst, Plastiken aus Stein, Bronze, Holz oder Ton, dazu Collagen und Objektkunst.
Die Räume im Pfarrzentrum sind professionell ausgestattet. Das ist kein Nebensatz, sondern der Grund, warum hier Werke dieser Güte überhaupt gezeigt werden können.





Im Foyer: Gräfin Haziga
2026 kam eine Sonderausstellung dazu. Im Foyer ging es um Gräfin Haziga, anlässlich der 950-Jahr-Feier des Ortes. Der Zutritt dorthin war kostenfrei, auch ohne Karte für die Kunstausstellung.

Haziga gehört zur Gründungsgeschichte von Bayrischzell. Als die Einsiedler Otto und Adalbert 1076 hier eine Zelle mit Kirchlein errichteten, geschah das im Umfeld der Gräfin und der frühen Wittelsbacher. Daraus wurde wenige Jahre später das Kloster in der Zell, das 1085 nach Fischbachau verlegt wurde und später nach Scheyern kam. Der Ort ist geblieben, und deshalb hat Bayrischzell 2026 sein 950-jähriges Bestehen gefeiert.
Nicht nur Bilder anschauen
Neben der Ausstellung selbst gab es 2026 zwei Formate, bei denen man mehr mitbekam als beim stillen Rundgang. Ob es sie 2027 wieder gibt, steht noch nicht fest.
Bei Kunst und Betrachtung waren Künstlerinnen und Künstler mit in der Ausstellung und man kam ins Gespräch. Termine waren jeweils Mittwoch, der 12. und der 26. August, von 17 bis 19 Uhr. Die Teilnahme kostete 6 Euro, der Eintritt war darin enthalten.
Der Art Walk unter dem Titel Almvernissage goes Tal führte zum Skulpturenpfad und zur Kunst in den Schaufenstern im Ort. Treffpunkt war der Pavillon im Kurpark, jeweils donnerstags von 16 bis 18 Uhr, unter anderem am 13. und 27. August und am 3. September. Die Teilnahme kostete 4 Euro.
Praktisches für den Besuch
Die Ausstellung liegt mitten im Ort, im Pfarrzentrum St. Margareth in der Mühlleitenstraße. Zu Fuß ist das von fast jeder Unterkunft im Ort aus zu machen, ein Auto brauchst du dafür nicht.
So war es 2026, und die Angaben werden hier aktualisiert, sobald die Eckdaten für 2027 bekannt sind. Geöffnet war täglich: Montag bis Samstag von 13:00 bis 18:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen schon ab 11:00 Uhr. Für einen Regentag ist die Ausstellung die naheliegendste Adresse im Ort, und an heißen Tagen sind die Räume eine angenehme Pause.
Der Eintritt kostete 4 Euro. Wer unter 16 war, kam kostenlos hinein. Mit Gästekarte waren es 3 Euro, Mitglieder von Kultursprung zahlten 2 Euro.

Beim Laden der Karte werden Daten an OpenStreetMap übertragen.
- 1Pfarrzentrum St. Margareth
Tipp: Auf einen Eintrag in der Liste oder direkt in der Karte tippen.
Wenn du mehr Kunst sehen willst
Neben der Ausstellung im Pfarrzentrum gab es 2026 in Bayrischzell den Künstlerweg: Kunst im öffentlichen Raum, verteilt über den Ort, mit QR-Codes an den Werken und Hintergrund zu jedem Künstler. Er lief unabhängig von der Ausstellung bis zum 26. September. Die Werke bleiben als Rückblick online, die nächste Ausgabe ist für 2028 geplant.
Die Angaben zur Geschichte stammen aus der Chronik auf der Webseite der Kunstausstellung, dort steht sie ausführlicher, als sie hier Platz hat.
