Treffpunkt Bayrischzell
Museum

Wasmeier Freilichtmuseum

Mehr als zwanzig historische Höfe und Häuser aus dem bayerischen Oberland wurden hier wieder aufgebaut, ein begehbares Dorf aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Ein Besuchsbericht über die Zeitreise in die spartanische Wirklichkeit früherer Jahrhunderte.

So haben die Leute wirklich gelebt, im Freilichtmuseum von Markus Wasmeier.

Schliersee-Neuhaus, zwölf Auto-Minuten von Bayrischzell. Ein Bericht vom ersten Besuch, Nachbesuch im Wirtshaus folgt im Mai.

Mehr als zwanzig historische Höfe, Häuser und eine Kapelle aus dem bayerischen Oberland, Stein für Stein abgetragen und hier wieder aufgebaut. Dazu Schmied, Schuster, Bäcker, Brennerei, Tiere, Gärten. Ein ganzes Dorf aus dem 18. und 19. Jahrhundert, begehbar, anfassbar, und wenn man die Nase reinhält: riechbar.

AdresseBrunnbichl 5 · 83727 Schliersee / NeuhausAnfahrt ab Bayrischzellca. 12 Min mit dem AutoÖffnungszeitenDienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr; Montag RuhetagSaisonEnde März bis Anfang NovemberEintritt Erwachsene10,90 € (Stand April 2026)Eintritt Kinder bis 15 JahreFreier EintrittZeit vor Ort3,5 bis 4 Stunden mit EinkehrWebsitewasmeier.deÖffentliche AnreiseBayerische Regiobahn (BRB) bis Haltestelle Neuhaus (Schliersee)

In der Alm wurde mir still

Der spartanische Innenraum der Kasalm im Freilichtmuseum
Der spartanische Innenraum der Kasalm im Freilichtmuseum

Ich stand in der kleinen Alm und dachte: Wow. So haben die Leute früher wirklich gelebt. Holzpritschen, nichts sonst. Kein Licht außer dem durchs Fenster. Kein Wasser außer im Eimer. Keine Dämmung außer den dicken Balken.

Das war der Moment, in dem dieses Museum für mich gekippt ist, von „Ausstellung über Bauernhäuser“ zu „Zeitreise“. Man liest es oft, wie spartanisch das damals war. Aber darin zu stehen, in der Enge, dem Geruch, dem Dunkel, das ist noch einmal etwas anderes.

Vorn die Kaskuchl, ein einziger Raum, Stampflehmboden, Balken aus roh behauenem Holz. Links ein Milchseparator der Marke Alfa Laval, mit dem die Sennerin Rahm von Magermilch trennte. Daneben ein Rahmkessel aus Messing, eine hölzerne Mulde, ein Milchbottich. An der Wand hängen Schneebesen, Kellen, kleine Holzkübel, jedes Stück Handwerkszeug, nichts Deko. Auf dem Tisch eine Emaillekanne, ein Milchkrug, eine bemalte Tasse. Davor am Boden die Holzschlapfen. Hinten in der Ecke ein Reisigbesen. Über der Tür ein Kruzifix.

Der Riederhof, das älteste Gefühl

Der Riederhof aus Geitau, das älteste Gebäude im Museum
Der Riederhof aus Geitau, das älteste Gebäude im Museum

Der Riederhof aus Geitau, ja, aus Geitau, also im Grunde um die Ecke, war das erste Gebäude, das hier wieder aufgebaut wurde. Wohnen und Stall unter einem Dach, wie damals üblich. Und als einziger Hof im Museum mit der originalen Einrichtung aus der Zeit um 1730.

Das merkt man. Der Raum wirkt nicht arrangiert, sondern einfach vorhanden. Wer sich für den Anfang der Geschichte interessiert, für die schlichteste, früheste Form des Hofs, bleibt hier am längsten stehen.

Berufe, die es kaum noch gibt

Der Schmied bei der Arbeit im Handwerkerhaus
Der Schmied bei der Arbeit im Handwerkerhaus

Im Handwerkerhaus arbeiten sie tatsächlich. Schmied, Schuster, Schreiner, Brennerei. Keine Inszenierung für die Besucher, sondern Leute, die ihr Handwerk können und es zeigen.

Was mir dabei durch den Kopf ging: Die meisten dieser Berufe sind entweder ausgestorben oder von der Industrie so aufgesaugt, dass man sie im Alltag nicht mehr sieht. Schuhe kauft man, man repariert sie nicht. Werkzeuge kommen aus dem Baumarkt. In der Brennerei wird noch so gebrannt wie früher, in Deutschland sowieso selten geworden.

Für Kinder ist das großes Kino. Aber auch Erwachsene stehen oft zehn Minuten vor einem Amboss und können sich nicht losreißen.

Eine Dorfkapelle, vom Vater bemalt

Die Heilig-Kreuz-Kapelle, vom Vater von Markus Wasmeier bemalt
Die Heilig-Kreuz-Kapelle, vom Vater von Markus Wasmeier bemalt

Die Heilig-Kreuz-Kapelle steht im Dorf wie in jedem echten bayerischen Ort auch. Platz für zwanzig Leute, drei Jahre Bauzeit, geweiht 2015. Die Deckenmalerei und die Heiligenfiguren hat Günther Wasmeier gemacht, Markus' Vater, Lüftlmaler und Restaurator. Wer sich die Zeit nimmt und hochschaut, sieht die Mariahilf-Darstellung mit den vier Evangelisten und den ländlichen Patronen.

Ein Detail, das mir aufgefallen ist: Auf der Kapelle sitzt ein Kreuz mit drei Querbalken. Das klassische Scheyrer Kreuz, das Reliquienkreuz aus Kloster Scheyern, in Bayern als Wallfahrts-Symbol weit verbreitet, hat eigentlich nur zwei Querbalken. Dieselbe Besonderheit gibt es aber an der Fischbachauer Pfarrkirche, die einen direkten historischen Bezug nach Scheyern hat. Andreas Estner, der die Region als Chronist so gut kennt wie wenige, sagt dazu: Die drei Balken seien offenbar aus regionalem Antrieb so entstanden, den genauen Grund weiß bis heute niemand. Ein stiller Eigenheits-Faden, der sich von Fischbachau bis in Markus' Museumsdorf zieht.

Das Wirtshaus „Zum Wofen“

Ehrlich: Ich war beim ersten Besuch nicht drinnen.

Das Wirtshaus Zum Wofen im Museumsdorf
Das Wirtshaus Zum Wofen im Museumsdorf

Es war Wochenende, das Wirtshaus war voll, an den Tischen standen Reserviert-Schilder.

Wenn du am Wochenende kommst: Reservieren. Im Gewölbe gibt es achtzig Sitzplätze, das Wirtshaus ist der größte Hof des Museums, die Küche regional, das Bier kommt aus der hauseigenen historischen Schöpfbrauerei, so wurde seit dreihundert Jahren gebraut.

Nachbesuch steht im Mai im Kalender. Sobald ich das Wirtshaus selbst probiert habe, ergänze ich hier einen ehrlichen Eindruck.

Wann kommen, wie lange bleiben, wo parken

Zeit einplanen. Ich war mit meiner Tochter dreieinhalb bis vier Stunden im Dorf, Häuser, Handwerk und gemütliches Durchstreifen. Das ist die Zeit, in der man alles „setzen lassen“ kann, ohne zu hetzen. Unter zwei Stunden wird es eine flache Runde.

Wann kommen. Unter der Woche ist es normal besucht. Am Wochenende würde ich entweder zur Öffnung um zehn kommen, oder etwa drei Stunden vor Schließung, wenn die Tagesgäste langsam abziehen und es ruhiger wird.

Parken. Der Museumsparkplatz füllt sich an schönen Wochenenden schnell. Wenn nichts frei ist: Auf den Bahnhofsparkplatz in Neuhaus ausweichen, gegenüber vom Museumsparkplatz. Von dort sind es zwei Minuten zu Fuß.

Anreise ohne Auto. Bayerische Regiobahn (BRB) bis Haltestelle Neuhaus (Schliersee). Von Bayrischzell mit der BRB in einer Richtung, umsteigen in Schliersee.

Einer der besten Schlechtwetter-Tipps der Region

Das Museum ist draußen, aber eben nicht nur. Fast alle Häuser sind begehbar, das Handwerkerhaus, das Wirtshaus, die Kapelle, die Ausstellungen. Wenn es regnet, hüpft man halt von Tür zu Tür.

Für Familien mit Kindern an einem verregneten Urlaubstag: der wohl beste Tipp in der Ecke zwischen Bayrischzell und Schliersee.

Im Museum ist immer wieder was los

Das Dorf lebt nicht nur von den Häusern, sondern von den Festen und Märkten, die dort stattfinden. Ein paar Termine, nach denen man für die Reiseplanung schauen kann:

Maibaumfest am 1. Mai. Aufstellen des Maibaums am Dorfplatz vor dem Wirtshaus, live-Musik, selbstgebrauter Maibock aus der museumseigenen Brauerei. 10 bis 17 Uhr.

Frühlingsmarkt mit Kranzlbinden. Saisonstart im Frühjahr, Handwerker und Floristen zeigen, wie Türkränze und Sträuße traditionell gebunden werden.

Boarischer Tanz im Juli. Bayerische Tänze zum Mitmachen, angeleitet von Tanzmeistern, mit wechselnden Musikgruppen. Für Einsteiger geeignet.

Historischer Handwerkermarkt im Oktober. Zweitägig, mit Handwerkern aus ganz Bayern, Schmiede, Korbflechter, Weber, Hafner und mehr.

Dazu über die ganze Saison verteilt: Braukurse, Holzofen-Backkurse, Kräuterführungen, Schnapsbrennen-Vorführungen. Termine und Anmeldung direkt beim Museum auf wasmeier.de.

Was sich damit gut verbinden lässt

Slyrs-Destillerie. Whisky aus dem Schliersee-Tal, wenige Autominuten vom Museum entfernt, mit Schaubrennerei und Verkostung. Ein Magnet für sich, dazu kommt bald eine eigene Seite.

Josefstaler Wasserfälle. Südlich von Neuhaus, Zugang ab Bahnhof Fischhausen-Neuhaus (Parken dort, die Josefstaler Straße ist Anliegern vorbehalten). Drei Kaskaden entlang des Hachelbachs, der erste Wasserfall nach rund zehn Minuten erreichbar, die ganze Runde knapp eine Stunde, etwa 150 Höhenmeter, leicht, familientauglich. Ich war selbst noch nicht dort, das wird eine eigene Seite, sobald ich hingekommen bin.

Schliersee spazieren. Am Ufer entlang der Bundesstraße ist es laut und nervig, ehrlich gesagt meide ich das. Schöner ist der Weg hinten am Berg entlang der Bahnstrecke, ohne Straßenlärm. Eine eigene Seite dazu folgt.

Mein Tipp

Nicht alles abhaken wollen. Die über zwanzig Gebäude sind kein Laufprogramm. Such dir drei, vier Häuser raus, in denen du länger bleibst, und lass die anderen einfach auf dich wirken.

Das Museum im Video

Das Museumsdorf im Video

Video von YouTube. Beim Laden werden Daten an Google/YouTube übertragen.

Bildergalerie

Blick über das Museumsdorf
Blick über das Museumsdorf
Das Dorf im Überblick
Das Dorf im Überblick
Historische Höfe im Grünen
Historische Höfe im Grünen
Biergarten am Wirtshaus
Biergarten am Wirtshaus
Gemütlicher Biergarten
Gemütlicher Biergarten
Historische Schöpfbrauerei
Historische Schöpfbrauerei
Offene Feuerstelle
Offene Feuerstelle
Heilig-Kreuz-Kapelle
Heilig-Kreuz-Kapelle
Der Riederhof
Der Riederhof
Riederhof, Detail
Riederhof, Detail
Riederhof von oben
Riederhof von oben
In der Kasalm
In der Kasalm
Deckenmalerei der Kapelle
Deckenmalerei der Kapelle
Über die Dächer des Dorfes
Über die Dächer des Dorfes

Auf der Karte

Beim Laden der Karte werden Daten an OpenStreetMap übertragen.

  1. 1Markus-Wasmeier-Museum

Tipp: Auf einen Eintrag in der Liste oder direkt in der Karte tippen.

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